2018

Welche Folgen haben jüngste Entwicklungen des maschinellen Sehens für fotografische Medien und Formen? Welche Rolle nehmen die Fotograf_innen innerhalb dieses sich wandelnden Apparats ein? Da die Künstliche Intelligenz nicht nur lernt, Bilder zu erkennen und zu analysieren, sondern potenziell auch das Konzept der Repräsentation verändert, stellt sich die Frage nach den sozialen, politischen und kulturellen Auswirkungen der neuen bildgebenden Geräte.

Unsere soziale Interaktion hat sich zunehmend auf Online-Plattformen verlagert. Wie verändert sich unsere Selbstdarstellung und welche Auswirkungen hat die fotografische Praxis in und mit Social Media auf unsere Identität und unsere soziale Interaktion? Was ist die Rolle der Fotografie im Zeitalter des universellen Voyeurismus, des Instagram-Stalking, der Promi-Hackerazzi und des Internet-Exhibitionismus?

Bilder im Netz konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit, die so zur Währung einer neuen Ökonomie geworden ist. Von Memes zu Clickbaits, von Katzenvideos zu Food Porn – ständig werden wir verführt und abgelenkt, unsere Verweildauer erfasst, unser Blick verfolgt und unsere Aufmerksamkeit in Likes und Follower quantifiziert. Wie könnten Zukunftsszenarien für die Ökonomie der Bilder aussehen? Wie kann dieses scheinbar unsichtbare Ökosystem sichtbar gemacht und kritisch hinterfragt werden?

Was ändert sich für die Fotografie, wenn bei Bildern der Aspekt ihrer Übertragung in den Vordergrund rückt, sie durch die globalen Netzwerke verschickt werden und unendlich oft reproduzierbar sind? Ist der fotografische Austausch demokratischer geworden oder nur Teil neuer Machtstrukturen? Wie verändern die Eigenschaften von Netzwerken Konzepte von Wahrheit und Repräsentation in den fotografischen Medien? Hat das vernetzte Bild zu mehr Propaganda oder mehr Widerstand beigetragen?

Vom Screenshot zur In-Game-Fotografie, von computergenerierten Bildern zu neuronalen Netzen – Fotografien hängen immer weniger von der materiellen Welt ab. Können wir uns eine Fotografie vorstellen, die ohne Licht, Linse und physische Objekte auskommt? Was passiert, wenn die Fotografie vollständig simuliert, virtualisiert oder durch Algorithmen hergestellt wird?